29
Sep 2009
Abgelegt unter: Strom Blog

Billigstrom-Anbieter werden Preise erhöhen müssen

strompreise

Neue Stromanbieter haben Bewegung in den deutschen Energiemarkt gebracht und werden in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Seit 2006 hat sich die Zahl der Kunden, die von etablierten Versorgern zu Zweitmarken oder unabhängigen Anbietern im Öko- und Billigstrom-Segment gewechselt sind, um drei Millionen auf rund sechs Millionen verdoppelt. Knapp die Hälfte der Kunden hat sich dabei für einen Wechsel zu einem unabhängigen Anbieter von Öko- oder Billigstrom entschieden. Sie verfügen in Deutschland mittlerweile über einen Marktanteil von 5 Prozent, der bis 2015 auf bis zu 8 Prozent ansteigen wird.

Billigstrom Geschäftsmodelle rechnen sich nicht

Im Billigstrom-Segment positionieren sich unabhängige Wettbewerber insbesondere über den Preis. Für Kunden mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden (KWh) bieten sie Preisvorteile von zum Teil über 200 Euro pro Jahr. Allerdings sind diese Angebote in der Regel mit hohen Vorauszahlungen beziehungsweise Kautionen verbunden und beinhalten nur kurze oder gar keine Preisgarantien. Ziel ist oftmals, mit niedrigen Preisansätzen Top-Platzierungen in den internetbasierten Strompreisvergleichen zu erzielen.

Im Segment für Ökostrom haben sich einige der unabhängigen Wettbewerber in ihrem gesamten Unternehmensauftritt konsequent ökologisch orientiert. Dies unterscheidet sie von den Zweitmarken einzelner etablierter Versorger, die zwar auch Ökostrom-Produkte anbieten, aber in der Regel keinen gesamthaften Marktauftritt als ökologisch ausgerichteter Anbieter aufweisen.

Billigstrom Anbieter machen Verluste

„Unsere Studie macht deutlich, dass die Angebote der Billigstrom-Anbieter aufgrund ihrer Preispositionierung oftmals kaum profitabel sind“, sagt Hanjo Arms, Principal bei A.T. Kearney und Co-Autor der Studie: „Angesichts der Preise und der üblichen Steuern, Abgaben und Netznutzungsentgelte zeigen sich meist negative Vertriebsmargen pro Kunde und Jahr.“ Bei einem Anbieter mit 100.000 Kunden fallen dabei jährlich Verluste von mindestens vier Millionen Euro an. Kosten für Marketing, Vertrieb und Abwicklung oder Kundenbetreuung sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Selbst wenn Vorteile aus der Tarifgestaltung, wie Zinseffekte durch hohe Vorauszahlungen, mit berücksichtigt werden, können die derzeit angebotenen Tarife langfristig kaum profitabel sein. Ergebnisse der Studie belegen, dass ein kontinuierliches Wachstum die wesentliche Basis für das Geschäftsmodell eines Billigstrom-Anbieters mit hohen Vorauszahlungen darstellt.

„Billigstrom-Anbieter, die ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln, werden jedoch trotz ihrer derzeit negativen Ergebnisse auch zukünftig den Markt beeinflussen können“, sagt Dr. Andreas Stender, Manager bei A.T. Kearney und ebenfalls Co-Autor der Studie: „Das setzt jedoch voraus, dass sie ihr Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen. Für sie gilt es, ihren Kundenbestand auf ein höheres Preisniveau hin weiter zu entwickeln und ein striktes Kostenmanagement zu praktizieren. Andernfalls bleibt vielen Billigstrom-Anbietern langfristig nur die Möglichkeit, ihren Kundenstamm an strategische Investoren zu verkaufen. Diese sind derzeit jedoch rar gesät.“

Billigstrom Preise müssen steigen

Für die Haushaltskunden ist zu erwarten, dass sich die durch unabhängige Billigstrom-Anbieter getriebenen hohen Preisunterschiede künftig deutlich verringern und somit die Preise ansteigen werden.

„Die Höhe des Strompreises wird für sie künftig wieder stärker durch Faktoren wie Großhandelsmarktpreise, Netznutzungsentgelte oder der Höhe der Stromsteuer beeinflusst und weniger von spezifischen Wachstumsstrategien einzelner Anbietergruppen abhängen“, sagt Cord: „Während sich viele Ökostrom-Angebote nachhaltig etablieren, werden zahlreiche der Billigstrom-Tarife in der aktuellen Form sukzessive vom Markt verschwinden oder aber in größeren Einheiten aufgehen.“

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