51 Milliarden Euro zusätzliche Steuereinnahmen winken dem Fiskus, wenn die Bundesregierung die Laufzeiten der Kernkraftwerke von derzeit 32 Jahren auf die international üblichen 60 Jahre verlängert. Das zeigt eine exklusiv für das Wirtschaftsmagazin ‘Capital’ (Ausgabe 1/2010) angefertigte Analyse des Bremer Energiewissenschaftlers Wolfgang Pfaffenberger.

Die neue schwarz-gelbe Bundesregierung ändert offenbar den Kurs gegenüber den Betreibern vom Atomkraftwerken. Jeder Haushalt in Deutschland kann jedoch weiter über die Zusammensetzung des Strommix mitbestimmen. Wer die Stromproduktion in Deutschland nachhaltig verändern will, kann sich ganz einfach für den „persönlichen Atomausstieg“ entscheiden. Das spart meist sogar Geld!

Nach internen Unterlagen von EnBW, die Greenpeace vorliegen, hat der Stromkonzern EnBW die Stromproduktion seines Atomkraftwerkes (AKW) Neckarwestheim 1 über mindestens anderthalb Jahre gedrosselt. Die Strommenge des AKW wäre unter normalen Produktionsbedingungen bereits Mitte Juli 2009 aufgebraucht gewesen und der Reaktor hätte abgeschaltet werden müssen. Der Konzern wollte jedoch vermeiden, den Reaktor vor der Bundestagswahl 2009 stillzulegen.

Mit einer Castor-Attrappe samt 40-Tonnen-Lastwagen, Strahlenschutzan¬zügen und Geigerzählern suchten am Freitag viele Menschen vor der Berliner Vattenfall-Zentrale und im Berliner Regierungsviertel nach geeigneten Endlagerstätten für radioaktive Abfälle. Den Höhepunkt der provokanten Aktion bildete eine Probebohrung vor dem Bran¬denburger Tor. Die Aktion stellte den Auftakt zu einer bundesweiten Tour in zwölf Großstädte dar. Damit wollen das Kampagnennetzwerk Campact, die Deutsche Umwelthilfe e.V. und ein breites Bündnis von Umweltver¬bänden kurz vor der Bundestagswahl für die Fortsetzung des Atomausstieges werben.

74 Prozent der Bundesbürger geht davon aus, dass die Strompreise durch eine Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke nicht sinken würden. Dies ergab eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag von Greenpeace. Nur 22 Prozent der 1000 Befragten denken, dass längere Laufzeiten zu günstigeren Strompreisen führen. Selbst 68 Prozent der CDU/CSU-Wähler versprechen sich durch mögliche Laufzeitverlängerungen keine Vorteile für die eigene Stromrechnung. Greenpeace fordert die sofortige Abschaltung der ältesten und unsichersten Atomreaktoren in Deutschland sowie einen vollständigen Atomausstieg bis zum Jahr 2015.

Der erneute Störfall im Atommeiler Krümmel zeigt: Atomkraft ist nicht sicher. Der endgültige Ausstieg aus dieser Risikotechnologie ist notwendig, die Debatte über eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken überflüssig, meint die VERBRAUCHER INITIATIVE. Der Bundesverband rät Verbrauchern, privat den Atomausstieg zu vollziehen und zu Ökostromanbietern zu wechseln.

Die aktuelle Diskussion um die Sicherheit älterer Atommeiler hält nicht nur die Metropolregion Hamburg sondern die gesamte Republik in Atem. Damit werden auch die Forderungen zum Wechsel des Stromanbieters laut. Norddeutsche Haushalte, die sofort ihren privaten Atomausstieg planen, bietet der bundesweite Stromanbieter CLEVERGY ein attraktives Wechselangebot an.

Anlässlich des Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl am 26. April fordert die Verbraucher Initiative ein eindeutiges Bekenntnis der Politik zum Atomausstieg. Die von den Energiekonzernen angezettelte Debatte um Laufzeitenverlängerungen für Atommeiler und angebliche Versorgungslücken dürfe nicht länger von Alternativen, wie dem Einsatz von Energieeffizienzmaßnahmen, ablenken.

“Die Atomenergie trägt weltweit so gut wie nichts zum Klimaschutz bei. Sie ist und bleibt eine Technologie unbeherrschbarer Risiken, gerade was die Weiterverbreitung nuklearer Materialien und die Entsorgung des Strahlenabfalls betrifft. Sie bremst den Ausbau der erneuerbaren Energien und ihre Bedeutung sinkt in globaler Hinsicht.” Dieses Fazit zieht Lutz Mez, Geschäftsführer der Forschungsstelle Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin in einer Analyse der aktuellen Entwicklungen in der Atombranche. Kurz vor dem 23. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe betonte er gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dass ein Comeback der Atomkraft nicht in Sicht und auch nicht wünschenswert sei.